Nur der Sieg zählt – ehrgeizige Eltern spielen ein riskantes Spiel

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Der Vater, der Trainer und der Sohn

In meiner frühen Trainerkarriere, hatte ich ein Gespräch mit einem Vater, der mir erzählte, dass der Trainer seines Sohnes Angst im Team verbreitet und die Kinder immer wieder respektlos behandelt.

Der Vater führte fort: „aber sie gewinnen die meisten Spiele und mein Sohn hat später vielleicht bessere Chancen, um von Top Teams ausgewählt zu werden.“

Ich fragte den Vater, ob dieses Trainerverhalten akzeptabel war – er antwortete: „nicht wirklich, aber die Ergebnisse passen“.

Mach das wieder rückgängig!

Ein Jahr später kam der Vater auf mich zu und bat mich darum, alles was der Trainer verursacht hat, wieder zu „reparieren“.

„Reparieren? Was soll ich reparieren?“ Fragte ich.

Er antwortete, „ich möchte, dass du all den Schaden, den dieser Trainer verursacht hat wieder rückgängig machst. Mein Sohn hat kein Selbstvertrauen, spielt sehr zurückhaltend, ist nach dem Training immer schlecht gelaunt und hat keinen Spaß mehr am Sport. Was soll ich machen?“

Ich empfahl ihm einen neuen Trainer bzw. Verein für seinen Sohn zu finden.

Er antwortete: „Ich verstehe, aber dieser Trainer hat die Beziehungen zu den Top Teams und ist unsere einzige Möglichkeit, damit unser Sohn eines Tages in den Profisport reinkommt“.

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Der Sohn war 12.

Die Schuldgefühle

Zwei Jahre später traf ich den Vater zufällig erneut. Er sagte, „du hattest Recht, ich hätte bereits zu Anfang einen neuen Trainer finden müssen. Jetzt ist der Schaden angerichtet . Mein Sohn hat mit dem Sport aufgehört und hat kein Interesse mehr – er sitzt den ganzen Tag am Handy.“

All das war vermeidbar. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich der Vater in dieser Situation gefühlt hat. Die Schuldgefühle. Die Scham. Einer Person zu erlauben, das eigene Kind schlecht zu behandeln und kurzfristige „Erfolge“, die keine Bedeutung haben, als Begründung zu nennen. Der Vater hat für ein paar Siege und eine unbedeutende Meisterschaft das (psychische) Wohlbefinden seines Sohnes und den Spaß am lebenslangen Sport riskiert.

Weiterhin ist es für mich unvorstellbar, wie machtlos sich dieser Vater gefühlt hat und nur zusehen konnte, wenn der Trainer seinen Sohn angeschrien und erniedrigt hat. Das würde dieser Vater woanders, z.B. in der Schule, niemals erlauben. Warum wurde es aber im Sport geduldet? Das wusste der Vater selbst nicht. Er dachte, dass es im Sport eben so läuft und der Trainer eine Supermacht hat.

Was können Eltern in Zukunft tun, um solche Situationen zu vermeiden?

– Eltern müssen den Fokus auf die ganzheitliche Entwicklung ihrer Kinder legen.
Sie müssen sich die Frage stellen, ob das aktuelle sportliche Umfeld eine positive Auswirkung auf das Kind hat.

Im Sport steckt nämlich ein großes Potenzial für die Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder. Deshalb muss die oberste Priorität des Trainers die Persönlichkeit des Kindes sein und nicht die Ergebnisse eines Turniers.

– Eltern tragen die Verantwortung die Trainer zu bewerten und beurteilen, die mit ihren Kindern arbeiten.

Zu den essenziellen Fähigkeiten eines Trainers gehören natürlich die sportlichen, aber auch pädagogische Fähigkeiten sind grundlegend.

Trainer müssen die körperlichen aber auch die geistigen Voraussetzungen der Kinder verstehen, damit sie ein erfolgreiches Training anbieten und mit Kindern passend kommunizieren können.

– Eltern müssen einen Trainer finden, der dafür sorgt, dass die ohnehin vorhandene Liebe der Kinder zu Bewegung und Sport bleibt und nicht verschwindet.

Sogar im Leistungssport ist Spaß am Sport einer der wichtigsten Faktoren, damit sich Sportler bestmöglich körperlich und psychisch entwickeln.

– Machen Sie den Kindern keine Vorwürfe, wenn sie kein Tor gemacht oder nicht gespielt haben. Zeigen Sie Ihren Kindern Zuneigung, unabhängig von der sportlichen Leistung.


Angst oder Unwohlbefinden fördern den Spaß am Sport definitiv nicht.

Sind Sie als Elternteil bereit, den Spaß und das Wohlbefinden Ihres Kindes mit guten „Ergebnissen“ zu tauschen? Ich hoffe nicht.

Zoomen Sie etwas heraus, Mama und Papa. Schauen Sie nicht nur auf die Ergebnisse. Beurteilen Sie eine Situation ganzheitlich. Sorgen Sie für das Wohlbefinden Ihrer Kinder. Helfen Sie anderen Eltern.

Trainer, die Kinder respektlos behandeln, haben nichts auf einem Sportplatz zu tun.

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