Wieviele Sportarten sind optimal für mein Kind?

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Wie sollen die Sportarten für Kinder organisiert werden?

Ein häufiges Phänomen, das im deutschsprachigen Raum aber auch in anderen Ländern vorkommt ist, dass Eltern ihr Kind bei einer einzigen Sportart anmelden, welche die Kinder dann auch bis hin zur Pubertät ausüben. Häufig haben die Eltern große Erwartungen an das Kind aber spätestens in der Pubertät vergeht die Lust am Sport, da es keine Möglichkeit hatte, sich eine geeignete Sportart auszusuchen.

Sportarten im Kindesalter möglichst breit aufstellen

Kinder können von der Ausübung einer großen Palette von Sportarten stark profitieren, unterschreibt Mathieu Belanger von der Universität Sherbrooke. Außerdem betont er: „Durch die Ausübung von mehreren Sportarten im Kindesalter, wird ein breiteres Feld von Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt“ (Gallant et al. 2017).

In einer US-Amerikanischen Studie wurden 756 Kinder zwischen 10 und 11 Jahren in die Stichprobe aufgenommen. Diese mussten 5 Jahre lang alle 3 Monate einen Fragebogen ausfüllen. So sollte festgestellt werden, welche Sportarten in den vergangenen 3 Monaten ausgeübt wurden.

Man kam zu dem Ergebnis, dass Kinder, die viele und unterschiedliche Sportarten zu Beginn der Studie ausgeübt haben, eine 55 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, dass sie sich 5 Jahre später weiterhin sportlich betätigen. Diese Gruppe wurde mit Kindern verglichen, die entweder keine Erfahrungen im Sport hatten oder die sich bereits in einer frühen Phase auf eine bestimmte Sportart spezialisiert hatten.

Kinder, die im Alter zwischen 6 bis 13 Jahren eine einzige Sportart 2x die Woche ausgeübt haben, verlieren oder haben bereits ihr Interesse an der Sportart verloren. Oft kommt es hier zu dem Problem, dass sich die Kinder nicht trauen, ihren ehrgeizigen Eltern mitzuteilen, dass sie eigentlich auf ihre Sportart keine Lust haben. Der Sport wird zu wettkampforientiert, der Erfolg steht im Vordergrund und nicht der Spaß. In der Pubertät wird rebelliert. Der Jugendliche hat keine Alternativsportarten und hört letztendlich ganz mit Sport auf.

Eltern sollten den Sport für Ihre Kinder langfristig planen

Das heißt also: Der beste Weg, um ein Kind dazu zu bringen langfristig Sport zu treiben ist, dass man in der Vergangenheit als Elternteil gut vorausgeplant hat. Das war zumindest die Empfehlung der oben genannten Studie, welche die These unterstützt: Wenn eine Person in ihrer Kindheit (5-9 Jahren) eine große Palette von Sportarten ausprobiert hat, dann wird es in Zukunft, als Jugendliche und Erwachsene, einen besseren Zugang zur Welt des Sports haben. Eltern sollten mit ihren Kindern eine druck- und stressfreie Kommunikation herstellen, sodass sich Kinder bestenfalls bereits vor dem Eintreffen der Pubertät auch zu ernsteren Themen, wie etwa die Haltung zum betriebenen Sport, äußern dürfen. 

Bewegt sich ein Kind im frühen Alter in einem sehr engen sportlichen und stark wettkampforientierten Rahmen, besteht auch die Gefahr, dass sich das Kind im Alltag geschwächt oder durch den externen Druck sehr gestresst fühlt (Brenner et al., 2019 ).

Welche Probleme tauchen auf, wenn das Kind nur eine Sportart ausübt?

Im Leistungssport spricht man bei Kindern von frühzeitiger Spezialisierung. Diese wird durch intensives, regelmäßiges (bis zu 5x die Woche!) und zielgerichtetes Training einer Sportart über das ganze Jahr gekennzeichnet – vor Eintreffen der Pubertät.

Studienergebnisse deuten darauf hin, dass späte (nach der Pubertät) Spezialisierung zu erfolgreicheren Spitzenleistungen als Erwachsener führt (Moesch et al., 2011).
Es mag paradox klingen ist aber eine Tatsache, dass Teilnehmer der olympischen Spiele und andere Spitzensportler mehrere Sportarten in ihrer Kindheit ausgeübt haben. Auch weltbekannte Sportikonen wie Michael  Jordan oder Usain Bolt haben in ihrer Kindheit mehrere Sportarten regelmäßig ausgeübt (Liste von Multi-Sport Athleten).

Ab wann ist es Kindern zu empfehlen, sich nur auf eine Sportart zu fokussieren?

Doch ab wann dürfen Kinder sich in einer Sportart spezialisieren, wenn sie Höchstleistungen erbringen möchten? Jayanthi et al. (2019) zufolge ist eine Spezialisierung ab 12 Jahren durchaus sinnvoll. Wobei die Ergebnisse dieser Studie auf anderen Studien basieren, die eher kleinere Stichproben hatten und keine einheitlichen Definitionen von frühzeitiger Spezialisierung verfolgt haben.

Kinder können in solchen intensiven Trainingsphasen durchaus Spaß haben, allerdings sollten Eltern hier vorsichtig sein. Sie und insbesondere auch Trainer müssen Zeichen von Erschöpfung erkennen und entsprechend reagieren (größere Regenerationsphasen etc.). Dies kann sich beispielsweise durch Schlafstörungen, einem geschwächten Immunsystem, aber auch durch Stimmungsschwankungen beim Kind bemerkbar machen.

Komplementäre Sportarten anbieten

Auch wenn das Kind den Wunsch hat, sich auf eine bestimmte Sportart sehr früh zu spezialisieren, sollten Eltern dem Kind andere, komplementäre Sportarten anbieten, welche im Gegensatz zur Hauptsportart den Spaß des Kindes in den Vordergrund stellen und nicht den Wettkampfcharakter.

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