Training mit Kindern: so wird es gut!

gutes training mit kindern

Das deutschsprachige Vereinswesen lebt vom Ehrenamt. Von Menschen, die eins mit dem Verein sind. Menschen, die in trüben Herbstmonaten am Sonntag um 8:00 Uhr morgens im Regen auf dem Platz stehen und dabei noch Spaß haben. Diese Menschen verdienen höchsten Respekt.
Trotz der Trainerförderung von Verbänden sind Ehrenamtler aus sportlicher Sicht allerdings nicht immer optimal für einen Trainer-/ Übungsleiterposten vorbereitet.

Sollen Eltern deshalb ein aus sportlicher Sicht nicht optimales Training für ihre Kinder in Kauf nehmen? Dann würde sich das Training vom Lerneffekt einer Stunde Spiel am Bolzplatz nicht groß unterscheiden.

In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es in einem guten Training mit Kindern (aus sportlicher Sicht) ankommt und wie dieses optimal umgesetzt werden kann.

Ein Training mit Kindern kann man grundsätzlich in 3 Hauptphasen einteilen.

Aufwärmen

Beim Training mit Kindern gibt es nicht das klassische Aufwärmen, was die Erwachsenen machen (z.B. um den Platz laufen). In diesem Teil geht es darum, die Konzentration für die bevorstehenden Übungen & Spiele im Training zu erhöhen.

Die Anfangsphase (ca. 20 Minuten) des Trainings eignet sich perfekt für das Training von Kraft, Koordination und Schnelligkeit. All diese 3 Komponenten gehören in jedes Kindertraining.
Je spielerischer, abwechslungsreicher und herausfordernder aufgewärmt wird, desto besser und motivierender für die Kinder.

Tipp: allgemeine koordinative und sportartspezifische (Technik) Fähigkeiten werden zu Beginn der Einheit trainiert, da das zentrale Nervensystem im ausgeruhten Zustand besser lernt – nicht am Ende.

Im koordinativen Teil sollte dem statischen (bei Anfängern) und dynamischen Gleichgewichtstraining (z.B. landen aus dem Sprung, oder während des Laufens abrupt stoppen und verharren) viel Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Im Schnelligkeitsteil sollte auf maximale Frequenzen (6-8 Sekunden) mit ausreichenden Pausen (3-5 Min.). In diesen Pausen können einfache koordinative Übungen „hineinrutschen“, die von der Intensität nicht hoch sind.
Im Krafttraining sollten (möglichst spielerische) Ganzkörperübungen angeboten werden – Der Core (geraden und schrägen Bauchmuskeln + untere Rückenmuskulatur) sollte hier in jedem Fall regelmäßig trainiert werden.

Hauptteil

Jeder Kindertrainer sollte bei einer Trainingseinheit einen (möglichst koordinativ-technischen) Schwerpunkt haben. Solche grundlegende Schwerpunkte trainiert man optimalerweise zwischen 2 bis 3 Wochen. Natürlich werden alle Komponenten mit trainiert. Allerdings sollte der Trainer das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Was aber auch nicht bedeutet, dass man 3 Wochen dieselben Übungen und Spielformen durchführt. Vielmehr geht es dabei den Kindern eine grundlegende Technik der Sportart in Übungen nahe zu bringen und möglichst in Spielformen anzuwenden.

Einfache individual- und gruppentaktische Spielformen (wie verhalte ich mich bei einem 1gegen1, wie bei einem 2gegen2?) dürfen natürlich stattfinden, allerdings liegt der Hauptfokus hier auf den koordinativen und technischen Fähigkeiten.

Schlussteil

Im Schlussteil (ca. 15 – 30 Min – je nach Trainingszeit) wird das gelernte aus den Trainingsschwerpunkten in einem freien Umfeld angewendet. Allerdings sollten die Kinder im Schlussteil 2/3 der Zeit frei spielen dürfen und sich voll austoben.

Hier sollten gleichstarke Partner/Mannschaften gegeneinander antreten. Der Spaß steht hier an vorderster Stelle.

Außerdem: Je mehr Spieler auf einem Spielfeld stehen, desto weniger Spielaktionen haben sie! Bei Mannschaftssportarten bietet sich die Bildung von kleineren Gruppen (z.B. 2gegen2, oder 3gegen3 – abhängig vom Alter), die gegeneinander im Rahmen eines Turniers parallel spielen. So bleiben die Kinder auch im Schlussteil motiviert.

Tipps für ein erfolgreiches Training mit Kindern

2/3 Spielformen und 1/3 Übungen

Isolierte Übungen haben keinen Wettkampfcharakter – da geht es um die reine Übung und Wiederholung von Bewegungsabläufen. Viele Trainer tendieren dazu sehr viele Übungen anzubieten und kaum Spielformen – das mag vielleicht sogar effektiv sein aber 1. wird die innere Motivation der Kinder zum Sport nachlassen und 2. die erlernten Fähigkeiten können in Spielen nicht angewendet werden, weil die Bedingungen, wie bei statischen Übungen, nicht die gleichen bleiben.

Wie oben bereits erwähnt können sportartspezifische Techniken in unter einfachen Rahmenbedingungen trainiert werden. In Spielformen werden diese aber in komplexen Situationen angewendet. Spielformen kannst du erkennen, wenn der Trainer ein Trainingsziel verfolgt, dieses aber durch Spiele (Wettkampfcharakter) erreicht.

2 Beispiele, damit du den Unterschied sicher erkennst:

Isolierte Übung: Zwei Kinder stehen sich gegenüber und spielen den Ball hin und zurück. Dabei gibt der Kindertrainer den Kindern eine Rückmeldung, wie sie es besser machen können.

Spielform: In einem Raum stehen viele, kleinere Hütchentore. Kind 1 muss den Ball durch eines der Hütchentore Kind 2 zuspielen. Im Anschluss muss sich Kind 2 ein anderes Hütchentor aussuchen, um den Ball an Kind 1 zurück zu spielen.
Dabei entsteht allerdings die Spielform erst, wenn 2 weitere Kinder (1 weiteres Team) dazu kommen und versuchen erfolgreiche Pässe zu verhindern (Wettkampfcharakter), indem sie ihnen den Ball wegnehmen.

Variation

Die Übungen bei den meisten Trainings dürfen nicht immer dieselben sein. Der Grundaufbau einer Übung darf derselbe sein, die Aufgabe selbst muss jedoch variiert werden.

Schwierigkeitsgrad

Hat der Großteil der Kinder in kürzerer Zeit (2-3 Durchläufe) keinen Erfolg, wurde eine zu schwierige Übung gewählt. Wird die Übung von allen Kindern sofort beherrscht, ist die Übung anspruchslos und hat keinen Lerneffekt. Trainer, die ehrgeizig über 30 Minuten ein und dieselbe Übung versuchen, den Kindern nahe zu legen, haben ihr Ziel eindeutig verfehlt. Variationen innerhalb und zwischen den Übungen sind essenziell, um Unter- oder Überforderungen zu vermeiden.

Spaß

Die Übungen sollten den Geschmack der Kinder treffen und spielerisch gestaltet werden.
Alle Kinder nehmen am gesamten Training teil – eine Runde aussetzen ist nicht ok.

Lob

Wenn etwas gemeistert wurde, sollte angemessen gelobt werden. Wird andauernd gelobt, hat es für die Kinder keinen Wert mehr. Wenn einem Kind etwas nicht so gut gelingt, wie den anderen Kindern, sollte eher der Versuch authentisch gelobt werden als der Erfolg. Das stärkt auch die anderen Kinder.

Motivation und Begeisterung

„Brennt“ der Trainer für seinen Sport, „zündet“ er auch die Kleinen damit an. Dadurch wird den Kindern die Relevanz des Sportes authentisch vermittelt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Kinder den Sport mit größerer Begeisterung betreiben.

Erklärung und Demonstration

Es ist vorteilhaft, wenn der Trainer in der Lage ist, eine Technik zu demonstrieren, denn Kinder imitieren Bewegungen von ihren Vorbildern. Sollten Trainer nicht in der Lage sein, diese zu demonstrieren, kann ein Kind als Beispiel genommen werden, das die Technik besonders gut ausführt.

Ausprobieren

Dem Kind sollte möglichst viel Raum zum Ausprobieren und Beschäftigen gegeben werden. Elementar für den Lerneffekt ist eine hohe Anzahl an Ausführungen.

Lange Wartezeiten

Ist der Trainer nicht prägnant und organisiert das Training suboptimal, leidet die Spielzeit darunter. Das Kind langweilt sich. Spielformen und Übungen sollten so organisiert werden, dass ein Kind ständig in Bewegung ist und sich nur in den häufigen Trinkpausen erholt. Übungen müssen nicht kompliziert sein, damit sie effektiv sind.

Aktives Coachen

Der Trainer ist am Spielplatz präsent und zeigt den Kindern, was richtig und falsch ist. Er sollte es damit aber nicht übertreiben, sondern den Kindern Raum lassen, auch eigene Lösungen zu finden.

Er sollte auch in der Lage sein, dem Kind ein möglichst prägnantes und spezifisches Feedback zu geben. Allgemeine Rückmeldungen, wie „Konzentriere dich“ sind nicht zielführend. Ein positives Beispiel im Fußballsport wäre: „Versuche dein Standbein neben den Ball zustellen, wenn du schießt“. Oder im Tennissport: „Versuche den Ball vor deinem Körper zu treffen“.
Kein Feedback ist schlecht. Zu viel Feedback aber auch, denn eine Informationsüberflutung will niemand.

Unser Tipp: vertraut auf das Prinzip des Selbstorganisation. Bietet Trainingsinhalte an und seid dabei etwas sparsamer mit Feedback.

Fragen stellen und erklären

Der Trainer sollte an das Kind zirkuläre Fragen stellen. Mögliche Beispiele: „Wie hat sich diese Bewegung angefühlt und was denkst du wäre besser?“, „denkst du, dass deine Aktion zielführend war?“…. Solche Fragen helfen dem Kind die eigenen Handlungen besser wahrzunehmen.

Der Trainer kniet sich hin und sprich auf Augenhöhe mit Kindern.
Kinder verstehen viel mehr als manche Erwachsene denken. Trainer sollten Kindern nicht nur diktieren, was sie machen sollen, sondern sich mit ihnen austauschen.

Erklären Sie ihnen, warum etwas gemacht wird und das kindgerecht. Sie müssen verstehen was Sie meinen – das können Sie, in dem Sie eine Sprache verwenden, die Bilder in den Köpfen der Kinder erzeugt – Kinder müssen ihre Worte mit realen Dingen verknüpfen können.

Lerneffekt

Das Kind soll seine bereits vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in JEDEM Training weiterentwickeln (der Lerneffekt ist natürlich nicht messbar – sollte aber Ziel des Trainers sein). Aber auch neue Fähigkeiten sollten die Kinder lernen.

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