Wie Eltern ein gutes Kindertraining erkennen

Trainer mit Kindern

Das deutschsprachige Vereinswesen lebt vom Ehrenamt. Von Menschen, die eins mit dem Verein sind. Menschen, die in trüben Herbstmonaten am Sonntag um 8:00 Uhr morgens im Regen auf dem Platz stehen und dabei noch Spaß haben. Diese Menschen verdienen höchsten Respekt.
Trotz der Trainerförderung von Verbänden sind Ehrenamtler aus sportlicher Sicht allerdings nicht immer optimal für einen Trainer-/ Übungsleiterposten vorbereitet.

Sollen Eltern deshalb ein aus sportlicher Sicht nicht optimales Training für ihre Kinder in Kauf nehmen? Dann würde sich das Training vom Lerneffekt einer Stunde Spiel am Bolzplatz nicht groß unterscheiden.
Aber wie können Eltern beurteilen, wann ein Kindertraining (5 bis 11 Jahren) aus sportlicher Sicht Qualität hat?

Ein Kindertraining beinhaltet grundsätzlich 3 Hauptphasen.

Aufwärmen

Beim Kindertraining gibt es nicht das klassische Aufwärmen, was die Erwachsenen machen (z.B. um den Platz laufen). Vielmehr geht es darum Spiele zu finden, die eine moderate Belastung haben. So kann sich die Konzentration für die bevorstehenden Übungen & Spiele Training erhöhen. Fangenspielen oder sportartübergreifende Spiele (z.B. Basketballspielen beim Handballsport) bieten sich hier gut an.

Hauptteil

Im Hauptteil wird in Anlehnung an die sensiblen Phasen die allgemeine Koordination und Schnelligkeit (ca. 10 Min.) gezielt trainiert.

Anschließend sollte die sportartspezifische Technik (ca. 15 Min.) geschult werden.

Koordinative Fähigkeiten werden zu Beginn der Einheit trainiert, da das zentrale Nervensystem im ausgeruhten Zustand besser lernt. Solch für das zentrale Nervensystem anspruchsvolle Übungen haben nichts am Ende eines Trainings zu suchen.

Als Letztes werden die erlernten Techniken in 1 bis max. 2 Spielformen (ca. 20 Min.) angewendet. Eine Spielform im Kindersport ist ein Spiel (also ein Wettkampf – gewinnen und verlieren sollte möglich sein) in dem konkrete technisch- koordinative Aspekte in den Vordergrund gestellt werden. Einfache (!) taktische Spielformen dürfen zwar stattfinden, allerdings liegt der Hauptfokus hier eindeutig auf den koordinativen und technischen Fähigkeiten.

Die wichtigsten Aspekte eines erfolgreichen Kindertrainings

2/3 Spielformen und 1/3 Übungen

Wie oben bereits erwähnt kann die sportartspezifische Technik am besten durch Spielformen geschult werden. Spielformen kannst du erkennen, wenn der Trainer ein Trainingsziel verfolgt, dieses aber durch Spiele (Wettkampfcharakter) erreicht. Dagegen sind isolierte Übungen nur sehr mäßig geeignet. Da geht es um eine reine Übung und Wiederholung einer Bewegung. Viele Trainer tendieren dazu sehr viele Übungen anzubieten und kaum Spielformen. Stattdessen empfehlen wir ein Verhältnis von 1/3 Übungen und 2/3 Spielformen im Hauptteil.

Man übt also kurz die Technik unter einfachen Bedingungen und darf sie im Anschluss innerhalb eines Spiels voll anwenden.

2 Beispiele, damit du den Unterschied sicher erkennst:

1. Isolierte Übung: Zwei Kinder stehen sich gegenüber und spielen den Ball hin und zurück. Dabei gibt der Kindertrainer den Kindern eine Rückmeldung, wie sie es besser machen können.

2. Spielform: In einem Raum stehen viele, kleinere Hütchentore. Kind 1 muss den Ball durch eines der Hütchentore Kind 2 zuspielen. Im Anschluss muss sich Kind 2 ein anderes Hütchentor aussuchen, um den Ball an Kind 1 zurück zu spielen. Dabei entsteht allerdings die Spielform erst, wenn 2 weitere Kinder (1 weiteres Team) dazu kommen und versuchen erfolgreiche Pässe zu verhindern (Wettkampfcharakter), indem sie ihnen den Ball wegnehmen.

Variation

Die Übungen bei den meisten Trainings dürfen nicht immer dieselben sein. Der Grundaufbau einer Übung darf derselbe sein, die Aufgabe selbst muss jedoch variiert werden.

Schwierigkeitsgrad

Hat der Großteil der Kinder in kürzerer Zeit (2-3 Durchläufe) keinen Erfolg, wurde eine zu schwierige Übung gewählt. Wird die Übung von allen Kindern sofort beherrscht, ist die Übung anspruchslos und hat keinen Lerneffekt. Trainer, die ehrgeizig über 30 Minuten ein und dieselbe Übung versuchen, den Kindern nahe zu legen, haben ihr Ziel eindeutig verfehlt. Variationen innerhalb und zwischen den Übungen sind essenziell, um Unter- oder Überforderungen zu vermeiden.

Spaß

Die Übungen sollten den Geschmack der Kinder treffen und spielerisch gestaltet werden.
Alle Kinder nehmen am gesamten Training teil – eine Runde aussetzen ist nicht ok.

Lob

Wenn etwas gemeistert wurde, sollte angemessen gelobt werden. Wird andauernd gelobt, hat es für die Kinder keinen Wert mehr. Wenn einem Kind etwas nicht so gut gelingt, wie den anderen Kindern, sollte eher der Versuch authentisch gelobt werden als der Erfolg. Das stärkt auch die anderen Kinder.

Motivation und Begeisterung

„Brennt“ der Trainer für seinen Sport, „zündet“ er auch die Kleinen damit an. Dadurch wird den Kindern die Relevanz des Sportes authentisch vermittelt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Kinder den Sport mit größerer Begeisterung betreiben.

Erklärung und Demonstration

Es ist vorteilhaft, wenn der Trainer in der Lage ist, eine Technik zu demonstrieren (in langsamem und in normalem Tempo), denn Kinder imitieren Bewegungen von ihren Vorbildern. Sollten Trainer nicht in der Lage sein, diese zu demonstrieren, kann ein Kind als Beispiel genommen werden, das die Technik besonders gut ausführt.

Ausprobieren

Dem Kind sollte möglichst viel Raum zum Ausprobieren und Beschäftigen gegeben werden. Elementar für den Lerneffekt ist eine hohe Anzahl an Ausführungen.

Lange Wartezeiten

Ist der Trainer nicht prägnant und organisiert das Training suboptimal, leidet die Spielzeit darunter. Das Kind langweilt sich. Spielformen und Übungen sollten so organisiert werden, dass ein Kind ständig in Bewegung ist und sich nur in den Trinkpausen erholt. Übungen müssen nicht kompliziert sein, damit sie effektiv sind.

Aktives Coachen

Der Trainer ist am Spielplatz präsent und zeigt den Kindern, was richtig und falsch ist. Er sollte es damit aber nicht übertreiben, sondern den Kindern Raum lassen, auch eigene Lösungen zu finden. Er sollte auch in der Lage sein, dem Kind ein möglichst prägnantes und spezifisches Feedback zu geben. Allgemeine Rückmeldungen, wie „Konzentriere dich“ sind nicht zielführend. Ein positives Beispiel im Fußballsport wäre: „Versuche dein Standbein neben den Ball zustellen, wenn du schießt“. Oder im Tennissport: „Versuche den Ball vor deinem Körper zu treffen“.
Kein Feedback ist schlecht. Zu viel Feedback aber auch, denn eine Informationsüberflutung will niemand.

Fragen stellen

Der Trainer sollte an das Kind zirkuläre Fragen stellen. Mögliche Beispiele: „Wie hat sich diese Bewegung angefühlt und was denkst du wäre besser?“, „denkst du, dass deine Aktion zielführend war?“…. Solche Fragen helfen dem Kind die eigenen Handlungen besser wahrzunehmen.

Lerneffekt

Das Kind soll seine bereits vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterentwickeln. Allerdings ist es für die sportliche Entwicklung des Kindes wichtig, auch neue Fertigkeiten zu lernen. Stellen Sie dem Kind ruhig detaillierte Fragen, um zu erfahren, was es im heutigen Training gelernt hat. Welchen Trick hat ihnen ihr Trainer beigebracht? Oder, welche Anweisung fanden sie besonders hilfreich? Sicherlich ist es abhängig von der Persönlichkeit des Kindes, ob es immer und offen darüber spricht. Allerdings sollten Eltern kritisch sein, wenn ein Kind immer sagt: „Wir machen immer dasselbe“ oder „Ich habe nichts gelernt, wir haben nur gespielt“.

Schlussteil

Im Schlussteil (ca. 20 Min.) wird zumeist ohne zusätzliche Regeln gespielt. Hier sollten gleichstarke Partner/Mannschaften gegeneinander antreten. Der Spaß steht hier an vorderster Stelle. Bei Mannschaftssportarten bietet sich die Bildung von kleineren Gruppen, die gegeneinander im Rahmen eines Turniers parallel spielen. So bleiben die Kinder auch im Schlussteil motiviert. So wird auch in diesem Teil eine hohe Anzahl an Spielaktionen gewährleistet.

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