Hat der Geburtsmonat Einfluss auf die sportliche Karriere?

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Hat der Geburtsmonat einen Einfluss auf den sportlichen Erfolg des Kindes?

Das Phänomen des „relative age effect“ (RAE) oder auf Deutsch „Geburtsmonatseffekt“ ist hauptsächlich aus dem Fußballsport bekannt.  Dieser Effekt ist seit langem bekannt und wurde in vielen wissenschaftlichen Arbeiten dokumentiert. 

2 Talente – 1 Platz in der Auswahlmannschaft

Folgendes Beispiel demonstriert den RAE:
Nehmen wir an, wir haben 2 Kinder, die ähnlich talentiert sind. Kind A ist im Januar 2010 geboren und Kind B im Dezember 2010. Da beide Kinder im selben Jahr geboren sind und Sportler europaweit fast ausnahmslos in Jahrgängen konkurrieren, wird Kind A gegen das jüngere Kind B im Wettkampf antreten.

Kind A hat durch den 11-monatigen Altersunterschied einen körperlichen Entwicklungsvorsprung zu Kind B. Kind A ist glücklich, da es alle Spiele und Turniere gegen Kind B gewinnt. Außerdem werden die Eltern von Kind A aufgrund der besonderen Leistung ihres Kindes im Vergleich zu Kind B von einem Talentsichter des besten Vereins angesprochen.

Kind A ist nun von den besten Spielern und Trainern seiner Sportart umgeben. Kind B hingegen spielt weiterhin im lokalen Verein, wird von ehrenamtlichen Eltern trainiert und hat eine insgesamt leistungsschwächere Gruppe, mit der es trainiert.
Welches Kind hat nun bessere Chancen einmal Leistungssport zu betreiben und letztendlich der bessere Sportler zu werden?
Offensichtlich Kind A. Obwohl sie dieselben Ausgangsbedingungen hinsichtlich Talent hatten, beeinflusste der Geburtsmonat der Kinder ihre Laufbahn maßgeblich.

Durch den RAE kann es also zu einem doppelten Auswahlfehler kommen: Manche gering Talentierte kommen in den Genuss von Talentfördermaßnahmen, anderen hoch Talentierten werden diese versagt.

Dieses Phänomen untermauert folgende Grafik (Quelle: Transfermarkt.de) deutlich:

Im Jahr 2016 wurden 66,6% der deutschen U17 Fußballnationalspieler in den ersten 3 Monaten des Jahres geboren.

Auch im Folgejahr waren es 62,12%. Lediglich 6% aus der Gruppe im Jahr 2017 hatten in den letzten 3 Monaten des Jahres Geburtstag.

Talentsichtung langfristig gestalten

Hilft nun dieses Phänomen, um das allgemeine Niveau der Leistungssportler und der Erwachsenen-Nationalmannschaft zu steigern? Eher nein. Wie können jedoch Verbände, Vereine und Trainer gegen den RAE steuern? Es ist zwingend notwendig, die Talentsichtung langfristiger und effizienter zu gestalten.

Es muss hinsichtlich des Körperbaues und der Athletik der Aspekt des biologischen Alters berücksichtigt werden – die Methoden der Erfassung des biologischen Alters sind sehr zuverlässig.

Sportarten müssen kindgerechter werden

Auf Verbandsebene könnte die Einführung kleinerer Selektionsgruppen in den Auswahlmannschaften stattfinden, in der die Kinder quartalsweise eingestuft werden. Außerdem sollten die Regeln der Sportart (Spielfeldgröße, Teamgröße, Sportgerät etc.) feiner an die körperlichen Voraussetzungen der Kinder angepasst werden.

Man sollte sich bei Kindern auf Merkmale wie Technik und Spielintelligenz fokussieren.
Hier stellt sich jedoch die allgemeine Problematik, dass solche qualitativen Merkmale schwierig zu differenzieren sind und immer subjektiv eingeschätzt werden.

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