Motivation und Motive bei Kindern im Sport

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Was bedeutet Motivation?

Ob jemand langfristig Sport treibt und sich bemüht besser zu werden, ist zweifellos eine Frage der Motivation. Die sportbezogene Motivation ist sowohl für den kleinen Sportler, den Jugendlichen als auch den Weltmeister von großer Bedeutung.

Unter dem Begriff Motivation wird das „Warum“ und das „Wozu“ des Handelns interpretiert.

Die Herkunft der Motive kann grundsätzlich extern (extrinsisch) oder intern (intrinsisch) sein.

Extrinsische Motivation

Extrinsische Motive sind diejenigen, die von außen kommen und haben unterschiedliche soziale Hintergründe:

  • Interaktion mit Gleichaltrigen: „Ich habe großen Spaß dabei, wenn ich Sport mit anderen Kindern treibe“
  • Fremdbestimmung: „Werde ich beim Sport gelobt?“, „Bekomme ich einen Preis für mein Tun?“
  • Suche nach Kontakt und Anschluss: Man gewinnt ein Tennisturnier, damit man es seinen Freunden in der Schule erzählen kann.

Intrinsische Motivation

Intrinsische Motive haben hingegen weniger sozialen Bezug, sondern einen starken Ich-Bezug:

  • Selbsterfahrung, Funktionslust: Jeder Kontakt auf dem Trampolin, jeder Korbwurf, jeder Torschuss, jeder Trick macht die ausführende Person glücklich.
    Hierzu zählt auch der sogenannte „Flow“. Man verliert das Zeitgefühl, weil man so sehr in sein Tun vertieft ist.
  • Leistung als Selbstbestätigung: „Ich versuche die 100 Meter in 13 Sekunden zu bewältigen.“
  • Erleben: „Wir sind mit dem Verein nach Italien ins Trainingslager gefahren – wir haben einen Ausflug zum See gemacht. Das fand ich großartig“.

Eltern und Trainer sollten herausfinden, welche der oben genannten Punkte auf die Kinder zutreffen und diese bestärken. Dies kann nur durch intensiven Austausch mit den Kindern erfolgen. So können die Erwachsenen die Motivation der Kinder positiv beeinflussen.

Ergänzend zu den oben genannten Punkten, gibt es 4 weitere grundlegende Faktoren, welche die Entwicklung der Motivation von Kindern beeinflussen.

Entscheidung/ Kontrolle

Dieser Punkt bezieht sich auf die Möglichkeit des Kindes, Entscheidungen zu treffen. Eltern können ihren Kindern dies ermöglichen, indem sie ihnen beispielsweise die Wahl der Sportart überlassen. Eltern können ihre Kinder mit vielen verschiedenen Sportarten in Kontakt bringen und die Welt des Sportes so möglichst umfangreich präsentieren. Selbst wenn die erste Entscheidung womöglich nicht die perfekte ist, kann in Abstimmung mit dem Kind ein Sportartwechsel in Betracht gezogen werden.

Ermöglicht man dem Kind sich einen Sport auszusuchen, fördert man die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit. Das Kind entwickelt Selbstbewusstsein und lernt Verantwortung zu übernehmen, denn es bemüht sich um etwas, das es selbst gewählt hat.

Die Selbstbestimmung kann verstärkt werden, indem das Kind anfängt sich sportlich selbst einzuordnen und nach Strategien zu suchen. Beispiele: „Wie kann ich das beste Resultat erzielen, wenn ich einen optimalen Aufschlag im Tennis können möchte? Was habe ich davon, wenn ich 4x die Woche trainiere? Ich muss täglich mit dem Ball spielen, damit ich besser werde…“

Kompetenz

Viele Kinder haben grundsätzlich Spaß daran sich mit anderen zu vergleichen, zu gewinnen und zu fühlen, dass sie „die besten“ sind. Sie haben einen höheren Antrieb, wenn sie denken, dass sie etwas gut machen. Erfolg und positives Feedback führen demnach zu einer starken Motivation.

Wichtig ist an diesem Punkt, dass Kinder ihre Erfolge auch intensiv wahrnehmen. Eltern und Trainer sollten Hilfestellung bieten und den Kindern deutlich machen, wie gut sie etwas gemeistert haben. In diesem Zusammenhang bieten sich nicht nur Aussagen, wie „Du hast in diesem Moment so einen perfekten Aufschlag (Tennis) gemacht“, sondern auch Fragen, wie „Du hast so lange an diesen Aufschlag geübt. Wie hat es sich angefühlt, als du ihn nun so gut hinbekommen hast?“. Aber auch unabhängig vom Erfolg, sollte der ernst gemeinte Versuch des Kindes gelobt werden.

Anschluss

Dieser Punkt bezieht sich auf Geselligkeit, welche das Kind durch den Sport aufbaut. Es lernt andere Kinder kennen, die ähnliche Ziele verfolgen und sich gegenseitig unterstützen und schließt mit diesen Freundschaften.
Das Kind sehnt sich nach sozialer Akzeptanz, auch außerhalb des Elternhauses.

Konsequenz

Dieser Punkt bezieht sich auf die Resonanz unserer Handlungen. Hier werden die eigenen Handlungen mit den daraus resultierenden Konsequenzen abgeglichen.
„Damit ich mein Ziel erreiche, muss ich trainieren“. „Damit ich gelobt werde, muss ich erfolgreich sein“. Dies sind Aussagen, die ein Kind bewusst oder unbewusst trifft.

Hinsichtlich der Leistungsmotivation unterscheidet man in der Sportpsychologie zwei Persönlichkeiten:


Erfolgszuversichtliche Personen suchen Leistungssituationen und Herausforderungen, wählen mittelschwere Aufgaben und erwarten Erfolg. Sie erwarten als Konsequenz den „Stolz“ auf den Erfolg und leisten unter Druck besser oder gleich gut. Bei einer Niederlage nennen sie externe Gründe als Ursache: „Das Wetter war schlecht“ oder „Ich hatte einfach nur Pech“.

Misserfolgsängstliche Personen sind eher das Gegenteil. Sie meiden Leistungssituationen, wählen zu leichte oder zu schwere Aufgaben und sehen die Gefahr des Scheiterns. Sie denken, sie sind schlechter als andere, die das gleiche Leistungsniveau haben. Bei Niederlagen bewerten Sie ihre Leistung negativ. Sie vermeiden Risiken, befürchten die Scham des Misserfolgs und leisten unter Druck, wie z.B. im Wettkampf, schlechter.

Wichtig ist es, diese Personen aufzumuntern und ihnen zu zeigen, wie gut sie etwas gemacht haben (siehe Punkt: Kompetenz). Man könnte ihnen auch sagen, dass es „heute einfach nicht ihr Tag war, und dass sie es an anderen Tagen doch viel besser machen“.


Ein Kind darf sich im Alltag nicht schlecht fühlen, weil es einen Misserfolg im Sport erlebt hat. Im Gegenteil. Der Sport muss dem Kind Selbstbewusstsein und Freude geben, damit es langfristig motiviert ist.