Zielgerichtetes Koordinationstraining für Kinder & Jugendliche in der Praxis

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In diesem Artikel möchten wir das Wissen des Artikels „Grundlagen des Koordinationstrainings bei Kindern und Jugendlichen im Sport“ in die Praxis umsetzen.

Im Koordinationstraining werden Informationsanfoderungten und Druckbedigungen so verändert, dass ungewohnte Bewegungen entstehen. Variation wird als Hauptmethode angesehen. Dafür werden anspruchsvolle Übungen gewählt, um die Kinder und Jugendlichen stets herauszufordern.

Im folgenden finden wir einige Übungen, welche für die Ballspielfertigkeit Fangen mithilfe des Koordinativen Anforderungs Reglers (KAR) erstellt wurden. Der KAR dient dazu, um die Bewegungsaufgaben einzuschätzen und zu steuern.

Mechling/Neumaier, 2009

Möglichst viele koordinative Erfahrungen in Kindheit sammeln

Im frühen Schulalter (bis Pubertät) macht es für Kinder durchaus Sinn eine breite Palette an Erfahrungen zu sammeln und somit unterschiedliche Druckbedingungen und Informationsanforderungen bei allen koordinativen Basisfähigkeiten zu erfahren.
Je leistungsorientierter der Sport (nach der Pubertät) betrieben wird, desto zielgerichteter sollten die Druckbedingungen & Informationsanforderungen gesetzt werden.

Variationsmöglichkeiten im Bereich der Druckregler

Zeitdruck (Zeitminimierung / Geschwindigkeitsmaximierung)

Übung: Der Spieler hat die Augen geschlossen. Der Partner wirft den Ball und gibt ein Kommando, damit der Spieler die Augen aufmacht und den Ball fängt.

Den Schwierigkeitsgrad kann man erschweren indem:
1. der Partner den Ball fester zuspielt
2. der Partner das Kommando etwas verspätet gibt.

Präzisionsdruck (Aufgaben präzise ausführen)

Übung: Man wirf den Ball hoch und versucht ihn mit unterschiedlichen Händepartien wieder zu fangen z.B. nur mit den Fingerkuppen oder mit der Handrückseite.

Simultankoordination (Aufgaben gleichzeitig ausführen)

Übung: Partner wirft einen Ball und spielt einen weiteren mit dem Fuß zu. Fänger fängt einen Ball mit den Händen und nimmt einen weiteren Ball gleichzeitig mit dem Fuß an.

Den Schwierigkeitsgrad kann man erschweren indem z.B.:
1. Der Partner zusätzlich eine Rechenaufgabe stellt, die gelöst werden muss.
2. Der Fänger muss zwei Bälle gleichzeitig fangen und einen gleichzeitig mit dem Fuß zurückspielen.

Sukzessivkoordination (Aufgaben nacheinander ausführen)

Übung: Der Spieler bekommt 3 Bälle hintereinander zugeworfen, muss diese fangen und anschließend weiter werfen.

Den Schwierigkeitsgrad kann man erschweren indem z.B.
1. Der Fänger darf den ersten Ball mit beiden Händen fangen, den zweiten mit der rechten und den dritten mit der linken Hand fangen.
2. Bevor der Fänger die Bälle fängt muss er einen Ball in die Luft werfen, den zugespielten Ball fangen, zurückspielen und den Ball, den er selbst hoch geworfen hat, wieder fangen.

Situationsdruck (wechselnde Umgebung oder Situation)

Übung:
den Ball während man in der Luft ist fangen
den Ball während man schnell läuft fangen
den Ball in einer sitzenden Position fangen

Den Schwierigkeitsgrad kann man erschweren indem sich die Situation in stärkerem Ausmaß verändert wie z.B.:
1. Während man auf einem Trampolin springt Ball fangen
2. Ein Wettrennen in einer Vierfüssler-Position und gleichzeitig müssen Bälle gefangen werden.

Belastungsdruck (steigernde körperliche oder psychische Belastung)

Übung: während eines intensiven Parkours zwischendurch einen Ball fangen.

Den Schwierigkeitsgrad kann man erschweren indem z.B.:
1. Die Belastung erhöht – man bringt den Sportler dazu sich auszulasten

Möglichkeiten im Bereich der Informationsregler

Ungewohnte optische Informationsanforderungen, welche die Bewegungskoordination erschweren sind z.B.:
Den Ball bei schwacher Beleuchtung, grellem Licht oder gegen die blendende Sonne fangen.

Ungewohnte akkustische Informationsbedingungen, welche die Koordinationsschwierigkeiten steigern sind z.B.:
Bälle fangen während laute Musik oder Lärm im Hintergrund ist.

Die taktilen Informationsanforderungen kann folgendermaßen erschwert werden:
Handschuhe (je dicker, desto weniger Gefühl hat man an den Händen)
Vergrößern oder verkleinern der Fläche (z.B. Fangen des Balles nur mit den Fingerkuppen)

Die kinästhetische Informationsanforderung kann erschwert werden durch z.B.:
Fangen von Bällen mit unterschiedlichen Gewichten
Fangen von Bällen mit unterschiedlichen Größen
Fangen von Bällen auf unterschiedlichem Untergrund (z.B. Sand)

Die vestibuläre Informationsanforderung kann erschwert werden durch z.B.:
Fangen von Bällen während Drehungen des eigenen Körpers
Fangen von Bällen in unterschiedlicher Lage des Kopfes


Eurer Kreativität sind bei den Variationen im Koordinationstraining bei Kindern keine Grenzen gesetzt. Allerdings sollte das Trainingsziel immer im Auge behalten werden.

Quelle:
Mechling, H., Neumaier, A. (2009). Koordinatives Anforderungsprofil und Koordinationstraining. Köln: Strauß Verlag. 3.Auflage