Feedback, Instruktionen und Coaching im Kinder Sport

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Kinder und Jugendliche sind im Sport ständig von Feedback umgeben. Allein der Wettkampf stellt eine Feedbacksituation dar. Verliere ich, bekomme ich automatisch die Rückmeldung, dass ich schwächer bin als der andere. Bekomme ich vom Schiedsrichter eine Verwarnung, heißt es, dass mein Verhalten nicht in Ordnung ist und ich es ändern muss, um mitspielen zu dürfen.

Coaching wird von Kinder- und Jugendtrainern zumeist sehr intuitiv genutzt. Kinder werden von manchen Trainern angebrüllt und von anderen wiederum gelobt.
Doch was fördert tatsächlich einen jungen Sportler? Worauf muss bei Rückmeldungen und Traineranweisungen geachtet werden? Wie soll in welcher Situation Feedback geäußert werden?

Was ist Feedback im Sport und welche Formen hat es?

Im Feedback im Sport geht es um einen Vergleich zwischen Soll-Wert (optimale Technik) und Ist-Wert (die aktuellen Fähigkeiten des Sportlers). Hier beabsichtigt der Trainer die sportlichen Techniken des Kindes durch Kommunikation (visuell, akustisch oder taktil) zu fördern.

Internes Feedback läuft im eigenen Körper ab. Der junge Sportler bekommt während einer Bewegungsausführung (wie z.B. einen Aufschlag im Tennis) Rückmeldungen von Sinnesorganen z.B. visuell, auditiv, propriozeptiv und taktil. Nach der Bewegungsausführung kann das Gedächtnis dieses Gefühl ca. 25-30 Sekunden nachempfinden.

Externes Feedback kommt von außen z.B. durch eine Instruktion oder Coaching des Trainers oder vom Mitspieler etc.
Hier ist zu berücksichtigen, dass der Sportler externes mit internem Feedback vergleicht.
Stimmen beide miteinander überein (beide positiv bei einer gelungenen Aktion), bestärken sie sich gegenseitig.
Beispiel:
Extern: „Der Trainer sagt: du spielst sehr gute Pässe. Bravo.“
Intern: „ich treffe den Ball immer so gut, dass meine Mitspieler den Ball genau bekommen“
Resultat: „Es macht Spaß so gute Pässe zu spielen. Ich möchte mich in meinem Passspiel weiter verbessern.“  

Wie viel Instruktion und Coaching sollte ein Kindertrainer geben?

Je jünger ein Sportler ist, umso weniger Informationen kann er verarbeiten. Der Fokus bei einer Instruktion oder einem Coaching sollte sich demnach auf einen konkreten Punkt richten.
Bei Kindern ab ca. 10 Jahren ist es möglich, pro Feedback auf 2 Punkte einzugehen.

Wann kann ein Kindertrainer Anweisungen und Instruktionen geben?

Feedback vor der Bewegungsausführung

Der Soll-Wert ist die optimale Bewegungsausführung einer bestimmten Technik – das sogenannte Technikleitbild. Dieses ist bei Kindern visuell vorher zu demonstrieren, da sie visuelle Informationen sehr gut verarbeiten und reproduzieren können (sie imitieren sehr gut). Ab ca. 10 Jahren kann die Bewegung zeitgleich zur Demonstration mündlich erklärt werden.

Bei Gruppen ist es wichtig, dass alle Teilnehmer einen guten Winkel zur demonstrierenden Person haben und die Demonstration gut sehen.

Feedback während der Bewegungsausführung

Diese Art dieses Coachings eignet sich weniger, da sie sehr schnelle, automatische Prozesse unterbindet.
Hier eignen sich nur sehr einfache Instruktionen, wie „JETZT“ oder „HOPP“. Wird diese Art von Rückmeldung sehr häufig genutzt, besteht die Gefahr, dass der junge Sportler abhängig vom externen Coaching wird.

Coaching nach der Bewegungsausführung – Fragen stellen hilft

Es bietet sich für Trainer sehr gut an, auf die Selbstwahrnehmung (internes Feedback) aufmerksam zu machen, wie z.B. „Wie hat sich dein Handgelenk angefühlt, als du den Ball in Richtung Korb geworfen hast?“. Beim Coacuing ist allerdings zu berücksichtigen, dass alle Personen eine sehr kurze Gedächtnisspanne der Sinnesorganne haben, weshalb diese Fragen direkt nach einer Bewegungsausführung gestellt werden sollen. Im Anschluss kann der Kinder- und Jugendtrainer eine kurze, prägnante und zielgerichtete Rückmeldung geben.

Bei leistungsstärkeren Jugendlichen ist es effektiv ihnen zu erlauben, aktiv nach gezieltem Feedback zu fragen, z.B. (Fußball) „wie fandest du die Fußstellung meines Standbeines beim Torschuss? – ich finde, ich war zu weit weg vom Ball, wodurch ich ein schlechtes Gleichgewicht hatte“. Das fördert die Selbstreflexion, wodurch die Jugendlichen sich selbstständig verbessern können.

Beim Gruppentraining eignet sich gut die Methode von sogenannten „Freezes“, sprich, alle Kinder/Jugendliche bleiben stehen, richten sich zum Trainer, welcher erneut auf einen wichtigen Punkt hinweist, den sie unmittelbar versuchen umzusetzen.

Wie häufig sollte ein Trainer Kindern Instruktionen und Anweisungen geben?

Bei Anfängern, die etwas neu lernen, sind häufige Instruktionen angebracht. Nichtsdestotrotz sollte ihnen genug Zeit gegeben werden, um das Feedback umzusetzen (je nach Technik – zwischen 2-5 Minuten).
Je höher das Leistungsniveau, desto weniger Coaching ist nötig. Hier reicht es, ein konkretes Feedback zur Bewegungsausführung in der gesamten Einheit zu nennen. Der Sportler wird dieses Feedback so gut verarbeiten, dass er stets daran arbeiten kann.

Um die Häufigkeit zu reduzieren, bietet sich die Methode an, die durchschnittliche Leistung zu bewerten und nicht jede einzelne. Man sieht sich also die Wiederholungen an und spricht den wichtigsten Punkt an, den alle Wiederholungen gemeinsam hatten.

Allgemeines und spezielles Coaching bei Kindern im Sport

Beim allgemeinen Coaching geht es um generelle Rückmeldungen bei Kindern, die eine Bewegungsausführung bewerten, wie z.B. „das hast du gut gemacht“.

Beim speziellen Coaching geht es um Rückmeldungen, die sich auf die Bewegungsausführung beziehen, wie „versuche den Ball vor deinem Körper zu treffen“.

Bei Kindern im Sport sind beide Formen ähnlich effektiv. Doch je höher das Leistungsniveau ist, desto weniger spielt das allgemeine Coaching eine Rolle (Magill, 2001; Munzert & Hossner, 2008).

Weiterhin macht es wenig Sinn, eine Aufgabe, die bereits gekonnt wird zu loben oder zu analysieren. Das führt nur zu Verwirrung und bereits gekonnte Fähigkeiten, die automatisch abliefen, können ins Schwanken kommen.

Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit des Sportlers auf das Feedback?

Kinder oder Jugendliche mit einem hohen Selbstwertgefühl können sowohl mit negativem als auch mit positivem Feedback besser umgehen als andere mit einem geringen Selbstwertgefühl.
Beim negativen Feedback macht man einen Sportler darauf aufmerksam, dass es einen Verbesserungs-Spielraum gibt.
Ziel des positiven Feedbacks ist die Verstärkung einer erfolgreich ausgeführten Technik, damit diese in Zukunft erneut erfolgreich ausgeführt wird.

Auch die Zielorientierung eines Sportlers spielt eine Rolle. Hier lassen sich zwei Persönlichkeitseigenschaften unterscheiden:
Der eine Sportler hat das Ziel, sich immer zu verbessern – er orientiert sich an der Aufgabe. Der andere Sportler hat das Ziel, besser als der andere zu werden – er orientiert sich am Erfolg, dem Wettbewerb.
Sportler, die sich an Aufgaben orientieren, erzielen nach negativem Feedback eine bessere Leistung als Sportler mit Wettbewerbsorientierung (Mory, 2004).

Die Erwartungshaltung der Sportler spielt ebenfalls eine Rolle.

Liegt das leistungsstärkere Kind gegen ein schwächeres hinten (negatives Feedback), ist die Motivation des stärkeren Kindes zu gewinnen, sehr hoch. Wenn das stärkere Kind allerdings führt (positives Feedback), ist die Anstrengung, um zu gewinnen, eher gering.

Umgekehrt ist es für den Schwächeren. Führt das leistungsschwächere Kind (positives Feedback), hat es eine hohe Motivation zu gewinnen. Liegt es im Ergebnis hinten (negatives Feedback), strengt es sich nicht mehr an, da das Kind bereits erwartet hat, dass es verlieren wird.

Die Erwartungshaltung des leistungsschwächeren Kindes ist: „ich gewinne eh nicht. Verlieren ist OK“. Deshalb wird das leistungsschwächere KInd schlechter spielen, als es eigentlich kann.

Kann man als Trainer die Leistung eines Kindes verschlechtern, indem man Feedback gibt?

In einer Analyse von Kluger und Denisi (1996) wurde festgestellt, dass bei einem Drittel der Sportler die Effekte von Feedback negativ ausfielen. Das bedeutet: negatives, aber auch positives Feedback kann die Leistungen der Sportler verbessern aber auch verschlechtern.

Stark negatives Feedback, welches weniger auf die Aufgaben, sondern mehr auf die Person des Sportlers gerichtet ist, schadet dem Selbstwertgefühl des Kindes.
Beispiel: „streng dich an, die anderen Kinder machen es besser als du“.

Das Kind beginnt sich auf andere Ziele zu konzentrieren und die Aufgabe als wenig wichtig einzustufen: „ist mir doch egal, wie gut ich einen Pass spiele“.

Möchte sich das Kind dennoch verbessern, wird es auch andere bereits beherrschte Fähigkeiten hinterfragen und sich auch bei diesen nicht mehr sicher fühlen.
In beiden Fällen erreicht man als Trainer eine Leistungsverschlechterung.

Ist das Feedback positiv (z.B. bei Lob), setzt man sich höhere Ziele, strengt sich an und wird besser. Wenn das Kind allerdings keine höheren Ziele setzen kann („ich bin eh der beste im Team), wird es sich nicht mehr anstrengen, was zu schwächeren Leistungsentwicklungen im Sport führt.

In diesem Fall wäre ein gemäßigtes negatives Feedback (Kritik zur Bewegungsausführung und nicht zur Person) zielführender. Das Kind hat den Wunsch, dem Traineranspruch gerecht zu werden und wird dadurch besser.

Sind aber die Traineransprüche zu hoch und bleiben Erfolgserlebnisse aus, wird sich das Kind nicht anstrengen, da es die Hoffnung verloren hat, das Feedback umzusetzen (Ilgen & Davis, 2000; Shute, 2008).

10 Punkte für ein gelungenes Coaching im Kinder- und Jugendsport

  • Das Ziel einer Übung sollte möglichst gut visuell dargestellt werden
  • Feedback sollte im Kinder- und Jugendsport kurz, präzise und prägnant sein
  • Bei Anfängern kann häufiges Feedback helfen (ca. 1 Feedback / 4 Wiederholungen) . Dieses kann allgemein (insgesamt als gut oder schlecht bewerten) aber auch speziell (auf die Bewegungsausführung selbst gerichtet) sein
  • Bei leistungsstarken Kindern und Jugendlichen sollte mit Feedback sparsamer umgegangen werden. Dieses sollte vorwiegend speziell (auf die Bewegungsausführung direkt gerichtet) und weniger allgemein sein
  • Fragen helfen, damit die Kinder und Jugendlichen eine bessere Selbstwahrnehmung bekommen
  • Kinder und Jugendliche mit hohem Selbstbewusstsein können mit negativem (Kritik) und positivem Feedback (Lob) besser umgehen
  • Ein stark negatives und nicht konstruktives Feedback (wie etwa beim Anbrüllen), welches den Sportler persönlich angreift, führt zu einer schlechteren Leistung bei Kindern und Jugendlichen
  • Bei leistungsschwächeren Kindern im Sport hilft meistens Aufmunterung und positives Feedback
  • Bei leistungsstarken Kindern hilft ein gemäßigtes negatives Feedback. Nichtsdestotrotz sollten sie bei einem großen Erfolg ebenfalls bestärkt werden
  • Feedback kann vor, während und nach einer Bewegungsausführung gegeben werden. Am effektivsten ist vor und unmittelbar danach.

Quellen
Ilgen, D. R., & Davis, C. A. (2000). Bearing bad news: Reactions to negative performance feedback. Applied Psychology: An International Review, 49(3), 550-565.

Kluger, A. N., & DeNisi, A. (1996). The effects of feedback intervention on performance: A historical review, a meta-analysis and a preliminary feedback intervention theory. Psychological Bulletin, 119, 254-284.

Mory, E. H. (2004). Feedback research revisited. In D. Jonassen (Ed.), Handbook of research on educational communications and technology (pp. 745-783). Mahwah, NJ: Erlbaum.

Magill, R. A. (2001). Augmented feedback in motor skill acquisition. In R. N. Singer, H. A. Hausenblas & C. Janelle (Eds.), i (pp. 86-114). New York: Wiley.

Shute, V. J. (2008). Focus on formative feedback. Review of Educational Research, 78(1), 153-189.

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