7 große Fehler, die ich als Kindertrainer begangen habe

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Erzählung eines anonymen Trainers:
Heute teile ich 7 Fehler, die ich in der Vergangenheit als Kindertrainer immer wieder gemacht habe. Ich fühle mich für alle unten genannten Punkte schuldig.

1. Ich fokussierte mich auf Resultate (nicht auf den Lernprozess)

Der Wetteifer, den ich als Athlet hatte, hat sich auf meine Trainerkarriere übertragen. Die Resultate waren wichtig. Sehr wichtig! Ich beurteilte alles auf Grundlage der Niederlage oder des Sieges. Die Teilnahme am Sport und der Fortschritt meiner Athleten waren für mich unwichtig.
Für mich war es in Ordnung, wenn mein Team unfair gespielt hat und Situationen ausgenutzt hat, damit es gewinnt. Es war in Ordnung, wenn meine Sportler den Schiedsrichter und die Gegenmannschaft nicht respektiert haben.

Rückblickend muss ich heute beichten, dass diese Haltung meine Sportler keinesfalls weiter gebracht hat. Statt mich auf das Gewinnen zu konzentrieren, hätte ich mir mehr Fragen über den Lerneffekt stellen sollen. Denn jedes Training und jeder Wettkampf bietet eine Gelegenheit etwas zu lernen und oftmals ist der Lerneffekt bei einer Niederlage umso größer. Es ist also essenziell eine positivere Einstellung zum Scheitern zu haben.
Scheitern und Misserfolg sollen akzeptiert werden und als ein normaler Teil der gesunden (sportlichen) Entwicklung angesehen werden.

2. Ich fokussierte mich darauf, ein ernstes Klima zu schaffen (und weniger auf den Spaß)

Wenn ich zurückblicke, ertappe ich mich dabei, häufig zu ernst gewesen zu sein. Aussagen, wie „wir spielen hier nicht, wir betreiben Sport, um zu gewinnen“ gehörten zu meinem Traineralltag.

Sehr oft habe ich auf die Ersatzbank gesehen und sah traurige und ängstliche Kinder, die durch ihre Befindlichkeit zeigten, dass sie nicht mehr von mir trainiert werden möchten. Sie hatten Angst davor, von mir geschimpft zu werden, zu verlieren oder nicht zu spielen.

Vielmehr hätte ich den Fokus auf Spaß und den Genuss am Sporttreiben legen sollen. Spaß muss nicht heißen, dass ein Kind über die gesamte Trainingseinheit lächeln muss. Spaß kann auch heißen, dass man sich so gut fühlt, wenn man versucht sich zu verbessern, etwas neues zu lernen, sein Bestes geben.

Trainer können sich auf den Spaß fokussieren und trotzdem fordernd sein. Sie können ein Umfeld kreieren, das voll von tollen Herausforderungen und Wettbewerben ist.

3. Ich hatte eine negative Haltung zu den Sportlern (anstatt sie herauszufordern)

Ich trainierte meine Sportler, indem ich mit Sarkasmus kommunizierte und persönliche Angriffe äußerte. Ich dachte, wenn die Kinder wütend sind, werden sie sich anstrengen. Stattdessen hätte ich klar meine Anforderungen und Erwartungen äußern sollen.

Ein fordernder Trainer erwartet mehr von seinen Sportlern, als sie es von sich tun. Er sagt: „Das hast du gut gemacht, versuche es nun besser zu machen“. Er stellt den Sportlern weitere Herausforderungen, damit sich die Kinder stets weiterentwickeln. Er erzielt Ergebnisse, indem er seinen Athleten hilft, ihre Stärken zufinden, anstatt sie negativ zu kritisieren. Fordernde Trainer bringen die Augen der Kinder zum funken, wohingegen diejenigen, die sarkastisch sind Öl ins Feuer gießen.

4. In guten Zeiten belohnte ich mich und in schlechten schob ich die Schuld auf die anderen (anstatt das Gegenteil zu tun)

Ich war zu voreilig die Bemühungen und Ausführungen der Kinder als schwach zu beurteilen. Selten reflektierte ich meine Rolle bei misslungenen Situationen. Ich habe mich nach meinen Absichten beurteilt und die Sportler anhand ihrer Taten.

Statt mir selbst auf die Schulter zu klopfen, hätte ich den Sportlern häufiger sagen sollen, wie gut sie etwas gemeistert haben – auch wenn es nur Kleinigkeiten waren. Anstatt meine Sportler stark zu kritisieren, hätte ich mehr Verantwortung übernehmen sollen.
Wenn ich die Schuld auf einen Sportler schob, hat dieser Sportler meine Negativität auf andere Mitspieler übertragen und sie für andere Sachen beschuldigt.

Keiner der Sportler lernte von mir, in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen.
Wenn ich meine eigenen Fehler erkannt und zugegeben hätte, hätten sie es mir nachgemacht, denn eines ist man als Trainer ganz bestimmt: Ein Vorbild.

5. Ich habe sehr viel gesprochen (anstatt mehr zuzuhören)

Damals habe ich sehr viel von mir gehalten. Ich dachte, dass mein Wissen im Sport sehr stark ausgeprägt war. Und ich war fest davon überzeugt, je mehr Input ich meinen Sportlern gebe, desto besser ist es für sie. Ich habe den Kindern alle Antworten gegeben, ohne sie danach suchen zu lassen, indem ich beispielsweise Fragen gestellt habe. Ich verhielt mich wie ein General und nicht wie ein Lehrer. Ich bin mir sicher, dass ich ihre Kreativität dadurch nicht gefördert habe.

Manchmal vermitteln uns Kinder mit ihren Worten und Taten, dass sie mal eine Pause brauchen, oder sie möchten etwas mehr herausgefordert werden und Neues ausprobieren. Manchmal sagen sie genau das, was sie in Wirklichkeit möchten, um ihren Sport mit Begeisterung zu treiben – ich hätte nur besser hinhören sollen.
Demnach bin ich fest davon überzeugt, dass die besseren Trainer diejenigen sind, die den Kindern Herausforderungen stellen, gut zuhören, mit den Kindern interagieren und Fragen stellen.
Leider habe ich viele Chancen verpasst, um das zu lernen. Aber es ist nicht zu spät!

6. Ich setzte sie unter Druck (anstatt aufklärend zu sein und eine gute Beziehung mit ihnen zu haben)

Auch wenn ich es damals nicht wahrnehmen konnte, versuchte ich meine Sportler zu fördern, indem ich sie unter Druck setzte.
„Mach das, ansonsten verlierst du deinen Platz! Mach das, ansonsten fliegst du aus der Mannschaft! Wenn wir heute nicht gewinnen, gibt es morgen ein hartes Staftraining. Wenn du nicht pünktlich zum Training kommst, darfst du nicht mitmachen“.

Es mag sein, dass diese Strategie kurzfristig sogar gute Ergebnisse bringt, aber langfristig ist das ein zerstörerischer Plan. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Strategie zu einer positiven sportlichen Entwicklung, Teilnahme und Spaß am Sport beiträgt, ist sehr gering. Stattdessen hätte ich meine Sportler mittels Zuwendung und guter Beziehung dazu inspirieren können. Ich hätte sie aufklären sollen, warum es beispielsweise wichtig ist, pünktlich zum Training zu kommen.

7.Ich habe mich so verhalten, als ob ich alles wüsste (anstatt bescheiden zu sein)

Mein Problem war, dass ich die Neugier und das Unwissen als Schwäche gesehen habe, was in Wirklichkeit eine Stärke ist.

Viele Trainer werden nicht zugeben, dass sie einen Fehler begangen haben, weil sie Angst davor haben ihre Authentizität zu verlieren.
Anstatt so viele Jahre den Allwissenden zu spielen, hätte ich bescheiden und neugierig bleiben sollen.
Jeder herausragende Trainer, den ich bisher kennengelernt habe, ist ein leidenschaftlicher Schüler, der stets neue Dinge herausfinden möchte.

Die Sportler werden dir bei Fehlern verzeihen und dich trotzdem respektieren. Sie werden alles für dich und die Mannschaft geben, wenn sie wissen, dass Fehler machen OK ist, weil sogar der Trainer Fehler macht.

Ihr Trainer da draußen, wir schulden es den Kindern, unsere Trainingsmethoden ab und an zu hinterfragen und manchmal auf den Neustart-Knopf zu drücken, so wie ich es getan habe.
Findet die Kraft euch zu verändern. Übernehmt die Verantwortung für das was ihr seid und was ihr macht. Macht den Unterschied. Werdet besser!